Auf meinen ersten Sieg gegen einen Grossmeister warte ich noch immer. Beim Bodensee Open bekam ich gleich drei Chancen dazu — aber am Ende blieb es in allen drei Partien beim Remis. Trotzdem war es ein starkes Turnier für mich: Mit Platz 5 holte ich mein bisher bestes Resultat an einem internationalen Open. Zur zweiten IM-Norm fehlte am Schluss leider nur ein halber Punkt.
Der Start ins Turnier war nahezu perfekt. Ich gewann die ersten drei Partien souverän gegen WIM Helene Mira, Joachim Beisteiner und Wilfried Höllrigl. Besser hätte es kaum losgehen können.
In Runde 4 wartete dann mit GM Raj Tischbierek der erste echte Härtetest. Ein Remis gegen einen GM klingt natürlich gut — aber in diesem Fall überwog bei mir ganz klar die Enttäuschung. Ich stand zwischenzeitlich nämlich klar auf Gewinn und war dem ersten GM-Sieg meiner Karriere sehr nahe. Doch Raj rettete sich mit einer Zugwiederholung noch ins Unentschieden.
Zum Glück lief es in der nächsten Runde wieder besser: Gegen den an Nummer 2 gesetzten IM Tarun Kanyamarala, der das Turnier später sogar gewann, gelang mir ein starker Sieg. Es war eine richtig gute Partie, in der ich ständig Druck machen konnte und mir den Punkt im Endspiel holte. Das war definitiv eines der Highlights des Turniers.
Auch gegen FM Benjamin Kienböck war mehr drin. Mein Läuferpaar war stark, ich stand etwas besser und hatte gute Chancen auf den vollen Punkt. Aber ein ungenauer Zug genügte, und der Vorteil war weg — wieder nur Remis.
Gegen den zweiten GM, Uwe Bönsch, lief es dafür komplett anders. Nach einem Eröffnungsfehler musste ich eigentlich die ganze Partie lang ums Überleben kämpfen. Dass ich mich da noch ins Remis retten konnte, war ehrlich gesagt einer der halben Punkte, über die ich mich am meisten gefreut habe.
Nach einem weiteren Remis gegen GM Eduard Andreev war vor der letzten Runde klar: Nur ein Sieg würde für die IM-Norm reichen.
Und genau diese letzte Partie war dann noch einmal ein richtiger Krimi. Gegen FM Dr. Georg Braun stand ich gleich zweimal auf Gewinn. Zweimal war die Norm zum Greifen nah. Aber beide Male traf ich nicht die beste Entscheidung, und mein Gegner verteidigte sich hartnäckig. Am Ende wurde es eine lange Marathonpartie — mit meinem fünften Remis im Turnier.
So blieb ich bei 6,5 Punkten, Platz 5 und einer Performance von 2443. Natürlich ist es bitter, wenn am Ende nur ein halber Punkt zur Norm fehlt. Trotzdem bin ich stolz auf das Turnier. Es war mein bestes Resultat an einem internationalen Open — und es zeigt mir, dass ich auf diesem Niveau absolut mithalten kann.
Der erste Sieg gegen einen GM muss also noch warten. Aber hoffentlich nicht mehr allzu lange.